Kunstkritiker Konrad Tobler über die Ausstellung im Gluri Suter Huus, Wettingen

 

 

"Das Licht führt zur Werkgruppe von Patrik Marcet (im unteren Saal). Er zeigt fotografische Experimente – hier ist er: der Forscher – und zwei Radierungen. Auch bei Marcet geht es nicht um ein Abbild, wie man das von der Fotografie gemeinhin erwartet. Er bildet zwar ab, aber verweigert dann gleich wieder, dass man benennen könnte, was er abbildet. Auch er geht über das Abbild hinaus – um zu neuen Bildern zu gelangen. Dabei spielen bei ihm vor allem zwei Faktoren eine wichtige Rolle: das Licht, selbstverständlich, handelt es sich doch um Lichtbilder; dann aber auch die Zeit. Fotografie hält die Zeit an. Marcet zeigt aber Zustände, in denen die Zeit weitergeht. Er zeigt Bewegungen, Veränderungen und Verwerfungen in der Landschaft – oder sind es nur Erdhaufen, die aussehen wie Berglandschaften? Das spielt keine Rolle, denn die Szenerien an sich sind solche, die ständiger Veränderung unterworfen sind, durch das Wasser oder durch die Erosion, manchmal ist das sichtbar, manchmal erfolgen die Brüche über Jahrzehnte oder Jahrhunderte.

In seinen Porträtaufnahmen erhält der Begriff der Erosion eine weitere Bedeutung: Hier ist es das Licht, das das Bild zwar generiert, zugleich aber auch wieder verschwinden lässt, indem die Aufnahmen bis zu 30 Minuten immer wieder belichtet wurden. Das erinnert an den Prozess der Erinnerung. Auch hier ist es ja so, dass sich immer wieder Bilder überlagern, dass die einen undeutlich werden, von anderen verdrängt, vielleicht gar, wie im Traum aus zwei, drei erinnerten Bildern ein neues entsteht.

Genau das geschieht in der dritten Werkgruppe von Marcet. Hier hat er ein Negativ zwei oder drei Mal belichtet. Man sieht also doppelt oder dreifach, ohne das, obwohl man es vielleicht erahnt, zu bemerken. Und wohlgemerkt: Marcet verwendet nur Techniken, die die Fotografie seit ihren Anfängen kennt. Hier ist alles analog entstanden – und die Reflexion geht selbstverständlich dahin, was ein Bild zeigt, was ein Bild zu einem Bild macht und schliesslich: was denn die Wahrheit eines Bildes überhaupt sein kann."